Was uns die Forscher sagen

Die Folgeerkrankung nach Abtreibung wird international in Studien untersucht. Das Elliot Institut (Springfield, USA, 1994) führte eine Studie an 260 Frauen von 15 bis 35 Jahren aus 35 Staaten der USA nach Abtreibung durch. 92,6 % der befragten Frauen litten an starken Schuldgefühlen, 88,2 % gaben an, Depressionen zu haben, 55,8 % dachten an Selbstmord, 82,3 % linderten an vermindertem Selbstwertgefühl, 66 % beendeten nach der Abtreibung die Beziehung zu ihrem Partner, 40,6 % begannen, Drogen zu nehmen und 36,5 % flüchteten in den Alkohol.
Gemäss einer Studie von David M. Fergusson (Christchurch, Neuseeland, 2006) erkrankt psychisch fast jede zweite Frau nach einer Abtreibung. (Foto: Stanislav Popov)

Eine Studie von David M. Fergusson (Christchurch, Neuseeland, 2006) weist nach, dass fast jede zweite Frau nach einer Abtreibung psychisch erkrankt und ein enger Zusammenhang zwischen Depressionen, Angstzuständen, Suizidgefährdung, Suchtverhalten und einer Abtreibung besteht. Aus einer Gruppe von 1265 Mädchen mit Geburtsjahrgang 1977 wurden 41 % der Mädchen bis zum Alter von 25 Jahren schwanger. 14,6 % ließen ihr Kind abtreiben. Von diesen entwickelten 42 % innerhalb von vier Jahren eine schwere Depression. Der Drogen- und Alkoholkonsum stieg bei dieser Gruppe signifikant an. Diese Verhaltensweisen und Erkrankungen konnten auf keine früheren Erlebnisse zurückgeführt werden. Für Fergusson ist es ein Skandal, dass «die psychischen Folgen eines Eingriffs, der bei jeder zehnten Frau durchgeführt wird, kaum studiert oder evaluiert werden.»

Für eine Langzeitstudie begleitete der Soziologe Willy Pedersen (Universität Oslo, Norwegen, 2008) während 11 Jahren 768 Frauen im Alter von 15 bis 27 Jahren. Vor allem junge Frauen, die abtreiben ließen, neigen stärker zu Depression. Das Suchtverhalten nach einer Abtreibung war signifikant höher als bei jenen, die sich für ihr Kind entschieden hatten.

Kürzlich suchte mich eine Patientin auf, die vor vierzig Jahren eine Abtreibung hatte. Sie träumt von ihrem abgetriebenen Kind und leidet unter Trauer und Schuldgefühlen. Ihr Ehemann und der 20 Jahre alte Sohn wissen nichts von der Abtreibung, die sie als junges Mädchen hatte. Ihre Mutter schickte sie allein nach Amsterdam. Dort holte sie eine Frau ab und brachte sie zur Klinik. Die Beziehung zur Mutter blieb das ganze Leben lang belastet. Warum hat sie mich allein gelassen? Warum hat mir niemand geholfen? Der Glaube an Gott konnte ihr in den letzten Jahren Trost und Hoffnung schenken, aber die Patientin ist immer noch depressiv. «Mein ganzes Leben war und ist überschattet von dieser Tat.» Sie gab dem Kind einen Namen für Mädchen und Junge und bat zusammen mit einem Seelsorger Gott um Verzeihung. Sie hat das Kind um Vergebung gebeten und muss nun Schritt für Schritt lernen, sich selbst zu vergeben und denen, die ihr nicht geholfen haben.

Dr. med. Angelika Pokropp-Hippen*

* Frau Dr. med. Angelika Pokropp-Hippen ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Münster, Deutschland, und verfügt über eine grosse Erfahrung mit Patientinnen, die nach einer Abtreibung an PAS leiden.