Eine Schwangerschaft – zwei Abtreibungskonflikte

Emma (35) kommt es vor, sie lebe nur fürs Arbeiten. Sie sehnt sich nach Veränderung im Leben und sucht diese in einer Beziehung. Doch als sie schwanger wird, lernt sie ihren Freund von einer anderen Seite kennen: Er will kein Kind. Dafür habe er keine Zeit und kein Geld – Punkt.

Emma: glücklich, nicht abgetrieben zu haben.

«Ich habe es keine Sekunde bereut, dass ich nicht abgetrieben habe.» (Foto: shutterstock/Nina Buday)

Emma ist entsetzt. Sie wäre zwar gerne Mutter, aber sie will kein Risiko eingehen, also nicht für ein Kind allein aufkommen müssen. Nach wochenlangem Kreisen um ihre Nöte immer noch ratlos, sendet sie per E-Mail einen Hilferuf an die SHMK.

Ringen um Klarheit

Schnell entwickelt sich ein reger Austausch zwischen der verzweifelten Frau und der SHMK-Beraterin. Diese erfährt von Emmas unglücklicher Berufssituation: Sie arbeitet bloss temporär, auf Abruf. Das Einkommen ist sehr knapp und unregelmässig, Besserung nicht in Sicht. Auch ihr Freund muss viel Zeit für die Erwerbstätigkeit aufbringen. Trotzdem ist er finanziell am Limit. Er ist überzeugt, weder Zeit noch Geld für ein Kind zu haben. Die Beraterin erklärt Emma, dass finanzielle Schwierigkeiten kein Grund für eine Abtreibung sein sollen und die SHMK für solche Probleme da ist.

Der Sorge Emmas, ihr Freund würde sie verlassen, begegnet die Beraterin mit Erfahrungswissen: Vor der Abtreibung würden oft die Männer mit dem Weggehen drohen; nach der Abtreibung seien es vor allem die Frauen, welche die Partnerschaft auflösten; denn Trauer nach der Abtreibung verwandelt sich nicht selten in Wut gegen den Kindsvater.

Die intensiven Gespräche mit der Beraterin verschaffen Emma Mut und Sicherheit. Obwohl ihr Freund seine Einstellung beibehält, gelangt sie zum Schluss, dass die Zukunft mit dem Kind gelingen kann.

Absturz ins Ungewisse

Doch kaum hat sie sich dazu durchgerungen, erhält die Beraterin von Emma eine erschütternde Nachricht: Bei ihrem Baby bestehe der Verdacht auf schwere Fehlentwicklungen. Sie sei am Boden. Wie soll sie allein mit einem behinderten Kind durchkommen. Ihr Entscheid für das Kind sei in Frage gestellt. Die Beraterin tut alles, um Emma aufzufangen. Sie schlägt ihr einen Gynäkologen für eine Zweitmeinung vor. Dieser stellt tatsächlich eine Entwicklungsbesonderheit fest. Das Ausmass einer möglichen Behinderung lässt sich jedoch nicht sicher angeben.

Als Emma zudem wegen Komplikationen ins Spital muss, wird ihr dort ein düsteres Bild gemalt: Das Kind werde schwerst behindert zur Welt kommen. Das verschärft Emmas Abtreibungskonflikt, der sich erneut über Wochen hinzieht. Mit der Beraterin diskutiert sie die Verlässlichkeit vorgeburtlicher Untersuchungen, das Lebensrecht Behinderter und, für den Fall, dass sie mit einem behinderten Kind überfordert wäre, auch die Adoption behinderter Kinder.

Die Wolken lichten sich

Im 6. Monat der Schwangerschaft vermag sich Emma endlich ganz auf die Seite ihres Kindes zu stellen. Als ihr Baby zur Welt kommt, sieht es nicht so schlimm aus, wie manche befürchtet haben. Das Mädchen hat eine mit Hirnflüssigkeit gefüllte Blase am Kopf. Motorisch entwickelt es sich zwar langsam. Aber durch Physiotherapie wird dieses Defizit nach etwa zwei Jahren behoben sein. Auch für die geistige Entwicklung bestehen keine Befürchtungen mehr.

Finanziell kommt Emma dank der SHMK über die Runden. Doch ist sie als Mutter sehr gefordert. Die Stiftung vermittelt ihr darum eine erfahrene Fachperson in ihrer näheren Umgebung, die bereit ist, ihr zu helfen.

Wie froh ist Emma und dankbar, mit solch tatkräftiger und professioneller Hilfe ihr Leben als Mutter zu beginnen! «Ohne Ihre Unterstützung hätte ich die beiden Konflikte in der Schwangerschaft nicht gemeistert», sagt sie ihrer Beraterin. Trotz der grossen Herausforderung habe sie es keine Sekunde bereut, nicht abgetrieben zu haben. Und schliesslich gibt es einen unerwarteten Lichtblick: Seit der Geburt sucht der Vater wieder den Kontakt mit Mutter und Kind!