Hilferuf aus dem Wartezimmer

Aufgeregt durchforstet Iris (27) im Wartezimmer ihres Gynäkologen mit dem Handy im Internet das Thema Abtreibung. Dabei findet sie die Webseite der SHMK. Gleich schreibt sie eine E-Mail an die Notrufzentrale: «Ich sitze gerade im Wartezimmer bei meinem Frauenarzt. Ich bin schwanger … Eigentlich bin ich da, um abzutreiben. Ich bin so verwirrt, was soll ich tun?»

Aus dem Wartezimmer ihres Gynäkologen kontaktiert Iris die SHMK.

Iris will sich beim Gynäkologen zur Abtreibung anmelden, doch hin- und hergerissen, kontaktiert sie im Wartezimmer die SHMK-Notrufzentrale. (Symbolbild)

Nach ihrer kaufmännischen Lehre hatte Iris eine Stelle, mit der sie recht leben konnte. Als sie aber ihre Arbeit wegen einer Umorganisation des Arbeitgebers verloren hatte, begannen die Schwierigkeiten. Sie kam nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus und wurde von der Sozialhilfe abhängig. Wie freute sie sich deshalb, als sie endlich eine neue Stelle antreten durfte. Aber jetzt, noch in der Probezeit, wird sie schwanger. Nur nicht wieder zurück zur Sozialhilfe, denkt sie und geht mit dem Vorsatz abzutreiben zum Gynäkologen.

 

Beraterin meldet sich umgehend

Als Iris die Arztpraxis verlässt, hat sie bereits eine Antwort der SHMK-Beraterin auf dem Handy: Diese könne ihren Wunsch nach einem Kind mit dem «richtigen Mann» gut verstehen. Allerdings gebe es bezüglich «richtiger Mann» keine absolute Sicherheit. Sicher sei nur, dass das Kind schon da ist. Es sei sinnvoll, in einer Situation, die einem ausweglos erscheint, professionelle Beratung und Hilfe zu suchen. Den ersten Schritt dazu habe sie ja bereits gemacht.

Kurz darauf schildert Iris, aufgewühlt und ständig am Weinen, der Beraterin am Telefon ihre Lage: Sie hat riesige Angst, das Kind gefährde ihren beruflichen Neubeginn. Ihr Freund ist von seiner Jugendzeit im Kinderheim traumatisiert und in psychologischer Behandlung. Zu 50 % ist er IV-Bezüger. Für Erziehung und Unterhalt des Kindes kann sie nicht auf ihn zählen – ohnehin ist er völlig gegen das Kind. Allerdings sei es ihr warm ums Herz geworden, als sie das Kind im Ultraschall gesehen habe. Ihr Herz spreche für das Kind, aber ihre Ängste dagegen. Darum habe sie einen Abtreibungstermin bekommen.

Angst sei ein schlechter Ratgeber, geht die Beraterin auf Iris ein. In Panik abzutreiben, obwohl sie Gefühle für das Kind hat, könne sie später sehr belasten. Es sei sicher angebracht, auch die Möglichkeiten für ein Leben mit dem Kind auszuloten. So vereinbaren beide ein Gespräch bei der SHMK.

 

Die Abtreibungspille in der Hand

Den Termin nimmt Iris jedoch noch nicht wahr. Zu sehr ist sie hin- und hergerissen. Jetzt geht sie sogar ins Spital und lässt sich die Abtreibungspille geben. Aber sie nimmt sie nicht. Zuerst soll noch der Besuch bei der SHMK stattfinden.

Als Iris mit einer Freundin zur Beraterin kommt, entwickelt sich ein stundenlanges Gespräch. Die ratlose Frau fürchtet das Kind als zusätzlichen Kostenfaktor und als Hindernis für eine Verbesserung der finanziellen Situation. Die Beraterin entschärft Iris’ Pessimismus, indem sie ihr zu verstehen gibt, dass die SHMK sie materiell und finanziell unterstützen kann. Iris vermag schliesslich einzusehen: Ihre Panik ist angesichts solch konkreter Hilfsangebote unbegründet. Ihr fällt ein Stein vom Herzen und sie entscheidet sich für ihr Kind.

Leider trifft dann ein, was Iris befürchtet hat: Ihr Arbeitgeber kündigt ihr noch in der Probezeit, als er die Schwangerschaft bemerkt hat. Als Schwangere findet sie keine neue Arbeit und muss erneut Sozialhilfe beantragen. An ihrem Entscheid fürs Kind will Iris aber nicht mehr rütteln. Vielmehr stimmt es sie zuversichtlich, dass die SHMK ihr nun bei der Vorbereitung der Geburt hilft und sie mit allem Nötigen fürs Baby ausstattet. Ein Aufsteller ist zudem, dass ihr Freund keinen Druck mehr zur Abtreibung macht.

 

Innerer Friede als Mutter

Nach der Geburt ihres Buben blüht Iris in ihrem Muttersein richtig auf. «Mein Kind ist das Schönste, was mir im Leben widerfahren ist», äussert sie zur Beraterin. Sie dankt der SHMK herzlich, dass sie ihr Mut zum Kind gemacht und ihr mit dem Angebot konkreter Hilfe die Angst vor der Zukunft genommen hat. Unterstützung hat sie in der Tat nötig, denn die Sozialhilfe behauptet plötzlich, ihr früher zu viel bezahlt zu haben und stellt Rückforderungen. Damit Iris mit dem Baby über die Runden kommt, versorgt sie die SHMK bis zur Besserung der Situation monatlich mit Lebensmittelgutscheinen.

Trotz der schwierigen Lage hat Iris den inneren Frieden: «Meinem Sonnenschein und mir geht es wunderbar. Es war zu 100 % die richtige Entscheidung, mein Kind zu bekommen», schreibt sie der Beraterin.