Tim lebt – trotz später Abtreibung in der 25. Woche!

Pflegefamilie Guido: „Tim bringt so viel Lebensfreude in unsere Familie“

Tim sollte durch eine Abtreibung getötet werden, weil seine Mutter ihn nicht haben wollte, nachdem bei ihm 1997 das Down-Syndrom (Trisomie 21) diagnostiziert worden war. Bei der Abtreibung leiteten die Ärzte die Geburt künstlich ein, in der Erwartung, dass Tim tot auf die Welt kommen oder nach kurzer Zeit sterben würde. Aber Tim überlebte. Der heute 14-jährige lebt mit seiner Pflegefamilie in Quakenbrück, Deutschland.

Als Simone und Bernhard Guido den schwer behinderten Tim an Weihnachten 1997 zum ersten Mal im Spital besuchten, verliebten sie sich in ihn und nahmen ihn mit nach Hause.

Bei seiner Geburt am 5. Juli 1997 war Tim 32 cm klein und 690 Gramm leicht. Er lag neun Stunden lang unversorgt da – in ein Tuch gehüllt; man hoffte, dass er sterben würde. Aber Tim kämpfte sich durch: er überlebte die Abtreibung und auch die langen Stunden nach der Geburt, während derer sich niemand um ihn kümmerte. In der Zwischenzeit war seine Körpertemperatur auf 28 Grad gesunken. Nach neun Stunden qualvollen Überlebenskampfes half ihm das Klinikpersonal … endlich! Das schlechte Gewissen quälte sie bitterlich.

Durch die Abtreibung und die Unterversorgung der ersten Stunden wurde Tims Körper schwer geschädigt. In seinen ersten Lebensmonaten hätte jeder Infekt tödlich ausgehen können. Die Lunge wurde nicht richtig ausgebildet, und er wies mehr als ein Dutzend Schädigungen auf. Tims leibliche Eltern wollten nicht viel von ihm wissen. Anders Simone und Bernhard Guido.

Aufnahme in eine fürsorgliche Familie

Das Ehepaar Guido hatte damals zwei gesunde Söhne, Marco und Pablo, und wünschte sich noch ein Pflegekind. Unverhofft wurde ihnen Tim angeboten. „Als wir ihn an Weihnachten kennenlernten, war es Liebe auf den ersten Blick“, schmunzelt Bernhard Guido. Im Frühjahr 1998 nahmen sie Tim liebevoll auf. Seither hat er wunderbare Zeiten erlebt, in denen er unbekümmert lachen und fröhlich sein konnte. Doch es gibt auch schwere Stunden, in denen von den Pflegeeltern grosser persönlicher Einsatz gefordert wird.

Tim will noch immer nicht essen; er wird durch eine Sonde ernährt. Lange Zeit konnte er weder laufen noch sprechen. Heute kann er wenigstens einzelne Worte aussprechen. Dank der Delphintherapie nach Castillo Morales, bei der durch Vibrationen Körperwahrnehmung, Atmung und Muskulatur beeinflusst werden, wird Tims Entwicklung und Kommunikation gefördert.

„Haben Sie es jemals bereut, Tim aufzunehmen?“, werden Guidos manchmal gefragt. „Nein, nicht eine einzige Minute“, sagt Bernhard Guido „Und woher dieses Engagement?“, wollte die SHMK im Telefongespräch wissen. „Wir haben so viel im Leben erhalten, haben zwei gesunde Söhne. Man kann nicht nur nehmen, man sollte auch geben. Wir sind sehr glücklich mit unserem Leben, mit unseren Kindern. Und meine Frau und ich sind ein harmonisches Team – deshalb funktioniert es.“ Doch nicht nur das: 2004 kam noch die 4-jährige Melissa mit Down-Syndrom als Pflegetochter zur Familie Guido hinzu. Somit hat Tim eine kleine Schwester erhalten!

Leitender Arzt der Abtreibung und Eltern ruiniert

Der junge Arzt, der Tims Abtreibung vornahm, wechselte nach jener Abtreibung 1997 in ein anderes Krankenhaus. „Nie mehr eine Abtreibung!“, sagt er öffentlich. Tims leibliche Mutter, die kurz nach der Geburt in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, hatte ihr Kind einmal besucht, konnte Tim jedoch nicht anschauen. Die Frau starb im Jahre 2004 an einer Lungenembolie. In diesem Moment brach auch der Kontakt von Tims Vater zu seinem Sohn ganz ab.

Existiert das Recht auf ein gesundes Kind?

Am Wochenende vom 16.–18. September sprach sich das Stimmvolk des Fürstentums Liechtenstein mit 52.3% gegen die Einführung der Fristenlösung aus. Im Zentrum der öffentlichen Diskussion stand jedoch nicht die straflose Abtreibung in den ersten zwölf Wochen, sondern die Bestimmung, Abtreibungen bis zur Geburt zu ermöglichen, wenn eine ernste Gefahr bestehe, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein würde. Was in Liechtenstein zum Glück nicht erlaubt worden ist, ist bei uns wie im umliegenden Ausland leider möglich …

Wenn schon die Praxis, eine Abtreibung an einem gesundem Ungeborenen vorzunehmen, gesellschaftlich anerkannt ist, so trifft dies heute erst recht das kranke Kind. Die Ansicht, man habe das Recht auf ein gesundes Kind, ist leider weit verbreitet. Das Kind ist jedoch kein Produkt aus einem Warenhauskatalog, das man bei Nichtgefallen zurücksenden, bei Mängeln töten kann. Wie müssen sich behinderte Menschen in einem Staat fühlen, der offiziell die Praxis fördert, Behinderte schon im Mutterleib aufzuspüren und zu vernichten? Der zentrale Punkt in der Debatte um späte Abtreibungen ist nicht die Frage ob „gesund oder krank“, sondern der zunehmende Verlust der Erkenntnis, dass jeder Mensch vom Zeitpunkt der Zeugung bis zum natürlichen Tode einzigartig und schützenswert ist.