Unlautere Kritik am Gegenmittel zur Abtreibungspille

Geschätzte 10 % der Frauen bereuen die Einnahme der Abtreibungspille schnell. Nun steht in der Schweiz ein Verfahren zur Verfügung, das die Wirkung der Abtreibungspille neutralisieren kann. Schon mehrere Babys konnten dadurch gerettet werden. Ihre Mütter sind froh, dass sie im letzten Moment umkehren konnten und Hilfe erhalten haben. Doch den Abtreibungsbefürwortern bereitet dieser Erfolg Angst und Sorge. In ihrer unlauteren Kritik sprechen sie den Frauen selbst das Recht ab, umdenken zu wollen und ihr Baby zu retten. Ende April führte ein Artikel in den Zeitungen der Tages-Anzeiger-Gruppe solche Kritik ins Feld.

Chemische Abtreibung stoppen.

Mirjam Kohler, die Autorin, täuschte unter falschem Namen gegenüber der Notrufzentrale der SHMK und einem Gynäkologen vor, die Abtreibungspille geschluckt zu haben und umkehren zu wollen. Sie liess sich ein Rezept ausstellen und bezog in der Apotheke die rezeptpflichtigen Medikamente. Damit wollte sie in Erfahrung bringen, wie die Methode der SHMK funktioniert. Von Respekt gegenüber Frauen, die umdenken wollen, ist im Artikel keine Rede. Und sie erwähnt auch nicht, dass das Gegenmittel ungeborenen Kindern das Leben retten kann.

Die Rhetorik zeigt vielmehr: Meinungsmache ist angesagt. Sie spricht von einer «neuen Methode der SHMK», die «umstritten» und «fragwürdig» sei. Dass sie sich im Ausland bereits 1000-fach bewährt hat, blendet Mirjam Kohler trotz zugestellter Informationen aus.

Die mittels Rezeptbetrug beschafften Medikamente stellt sie als einen hochgefährlichen Hormon-Cocktail dar, der für eine Anwendung als Gegenmittel zur Abtreibungspille gar nicht zugelassen sei. Richtig ist aber, dass das verwendete Hormon ein seit 1983 in der Schweiz zugelassenes Medikament zur Stabilisierung der Schwangerschaft ist. Genau dafür wird es jetzt eingesetzt. Das Gegenmittel hat auch noch nie zu einer Gefährdung von Frauen geführt. Die Babys kommen gesund zur Welt, wenn sie keine Vorerkrankung hatten.

Die Journalistin, ehemalige Präsidentin der JUSO Basel-Stadt, erwähnt eine Studie der Davis-Universität in Kalifornien, die abgebrochen werden musste, weil – wie sie schreibt – das Verfahren für die Frauen zu gefährlich sei. Es käme zu starken Blutungen. Richtig ist aber vielmehr, dass die Studie abgebrochen wurde, weil sich zu wenige Frauen für eine Teilnahme gemeldet hatten. Und Blutungen gab es keine aufgrund des Gegenmittels, sondern immer nur aufgrund der Abtreibungspille.

Der Vorwurf schliesslich, das Gegenmittel verursache bei der Frau eine psychische Belastung, ist der Schlusspunkt ihrer falschen Argumentation. Richtig ist, dass das Gegenmittel vielmehr die Frauen entlastet, die ihre Abtreibung im letzten Moment noch stoppen wollen, und ihnen neue Hoffnung gibt.